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Berühmter Bodyguard über Castleevents

Eines Tages bekam ich eine diskrete Anfrage, per Mail. Der Auftraggeber nannte sich „Castleevents“. Davon hatte ich noch nie gehört. Sofort schaute ich mir die Homepage an. Dort sieht man Frauen in Cocktailkleidern, Masken, Champagner und Herren in Smokings. Geheimnisvoll, erotisch, spannend. Unweigerlich fühlte ich mich an den Film „Eyes Wide Shut“ mit Nicole Kidman und Tom Cruise erinnert. Sollte es sich um solche Sex-Partys handeln? Ich unterhielt mich lange mit dem Auftraggeber, um sicherzugehen, dass es eine seriöse Sache war. Er suchte einen professionellen und diskreten Sicherheitsdienst. Er sollte nicht enttäuscht werden.

Das Buch des BodyguardsAm Veranstaltungstag finde ich mich rechtzeitig im Schloss, in einer sehr eleganten und wohlhabenden Gegend, ein. Ich bin von der Location und ihrer traumhaften Aufmachung sehr beeindruckt. Schnell wird mir klar: Dieses Event findet nur mit ganz besonders gut ausgewählten Künstlern, Dienstleistern und Gästen statt. Meine Aufgabe ist es, die geheimnisvollen Gäste zu empfangen, sie vom Tor in das Gebäude zu begleiten und das Passwort abzufragen. Kein Problem, mit solch ausgewählten Gästen leichte Arbeit.

Irgendwann fällt mir ein sehr attraktives und höfliches Paar auf. Es fährt mit einem extrem heißen Sportwagen mit ausländischem Kennzeichen vor. Die Frau verdeckt ihr Gesicht mit einer auffälligen Maske, die nur mit Strasssteinen verziert ist. Ich frage den Herrn nach seinem Passwort. Wortlos hebt dieser seine Hand aus dem Fenster. Er trägt den Founder-Ring – für mich das Zeichen, ihn ohne weitere Fragen passieren zu lassen. Ich weise ihm einen Parkplatz zu und helfe der Dame beim Aussteigen.

Im späteren Verlauf des Abends patrouilliere ich mehrmals durch die Räumlichkeiten und Flure. Hier treffe ich die Dame aus dem eleganten Sportwagen wieder. Es scheint, als würde sie etwas auf dem Teppich suchen. Ich frage sie höflich aber mit der nötigen Distanz, ob ich ihr eventuell behilflich sein kann. Sie erklärt mir auf Englisch, dass sie einen Ohrring verloren habe und dieser unter Umständen sogar in einem der Séparées liegen könnte. Dort sei es jedoch so dunkel, dass sie ihn unmöglich ausmachen könne. Ich begleite die Dame in das besagte Zimmer. Hier vergnügen sich mittlerweile mehrere Paare. Es ist sehr warm und dunkel. Nur Kerzen erhellen den Raum und die Chill-Out-Musik untermalt die abstrakte und irgendwie surreal erscheinende Szene der in sich verschlungenen Liebenden.

In dieser ungewöhnlichen Situation einen Ohrring zu suchen, abgesehen von der Dunkelheit und der reichhaltigen Ablenkung, erscheint mir für einen kurzen Augenblick schier unmöglich. Ich zücke meine Taschenlampe und leuchte den Boden ab. Die Dame lächelte derweil verlegen und zeigt auf ein plüschiges Sofa: „May be it is over there. I was there with my husband.“ Auf dem besagten Sofa räkeln sich gerade zwei Damen in äußerst aufreizender Pose. Sie sagen etwas in einer mir unbekannten Sprache und lachen. Ich frage so höflich und diskret wie möglich: „Excuse me please, may I take a look under the lounger? The lady over there lost one of her earrings.“ Eine der beiden Frauen lacht und sagt: „Honey, you can take a look wherever you like!” Sie streicht sich über die Beine, dann höher in Richtung Schambein. Mein Blick fällt zwangsläufig auf ihre Strapse, wo ich plötzlich etwas funkeln sehe. Ich leuchte mit meiner Taschenlampe an ihrem Bein entlang und entdeckte den vermissten Ohrring, welcher sich in der Spitze verfangen hat. Ich lächle die Dame etwas verlegen, aber auch leicht verschmitzt an und erwiderte: „Well, I have already seen what I have been looking for.” Ich zeige auf ihr Bein. Sie begreift sofort und befreit den Ohrring aus dem Spitzenstoff. Sofort wende ich mich von den in sich verschlungenen Frauen ab, der Dame entgegen, neben der nun auch ihr Begleiter steht. Ich überreiche ihr den Ohrring. Sichtlich erfreut und erleichtert laden sie mich daraufhin auf ein Glas Champagner ein. Selbstverständlich lehne ich dies höflich ab, denn auch ohne Alkohol ist es schon schwer genug, in diesem Ambiente die Contenance zu bewahren.

Im Endeffekt hatte ich den Job wohl so gut erledigt, dass eine europaweite, regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber Castleevents entstanden ist. Offenbar hatten die Sicherheitsleute vor mir es nicht geschafft, in so außergewöhnlichen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und höflich und zurückhaltend zu bleiben. Da standen vorher wohl eher so Bodybuilder. Und wir verstehen uns eben als diskrete Dienstleister – auch in Situationen, die einen irgendwie aus der Fassung bringen könnten!

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